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Das Schiffshebewerk Niederfinow
Das Schiffshebewerk Niederfinow wurde 1934 in Betrieb genommen und ist damit das älteste noch arbeitende Schiffshebewerk Deutschlands. Es liegt am Oder-Havel-Kanal bei Niederfinow in Brandenburg. Am Nordrand des Eberswalder Urstromtals überwindet das technische Bauwerk einen Höhenunterschied von 36 Metern.

Das Bauwerk ist ein geschütztes Industriedenkmal nach der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Im Dezember 2007 erhielt es die von der Bundesingenieurkammer erstmals verliehene Auszeichnung Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland.

Die Technik

Die Höhe des Hebewerks beträgt 60 Meter, die Länge 94 Meter und die Breite 27 Meter. Zur Überwindung des Höhenunterschieds von 36 Metern benötigt der Trog fünf Minuten. Die Gesamtdauer einer Schleusung beträgt 20 Minuten. Das Schiffshebewerk besteht aus einer 14.000 Tonnen schweren genieteten Stahlkonstruktion, die auf Stahlpfeilern steht. Gegründet wurde das Bauwerk mit stahlbewertem Beton, welcher bis zu 22 Meter tief eingebracht wurde. Die Grundplatte ist 4 Meter dick. Der Oder-Havel-Kanal wird mit einer ebenfalls genieteten Trogbrücke mit einem Gewicht von 4000 Tonnen an das Oberhaupt des Hebewerkes herangeführt. Der mit Wasserfüllung 4290 Tonnen schwere Trog ist 85 Meter lang, 12 Meter breit und hat eine Wassertiefe von 2,50 Metern. Er hängt hier an 256 Stahlseilen (Durchmesser 52 mm), die über Umlenkrollen (Durchmesser 3,50 Meter, Gewicht jeweils 5 Tonnen) geführt mit 192 Ausgleichsgewichten aus Beton mit einem Gewicht von ebenfalls 4290 Tonnen den Trog ausbalancieren. Um die wandernde Seillast der Stahlseile zu eliminieren, werden vier Seilgewichtsausgleichsketten verwendet. Die Sicherheit der Führung an den Seilen wird durch eine Spannvorrichtung erreicht, bei der die Hälfte der Seile den Trog tatsächlich trägt und die andere Hälfte ungespannt als Reserve mitgeführt wird.

Den symmetrischen Antrieb über eine Triebstockverzahnung realisierte man mit Gleichstrommotoren in Leonardschaltung, die ihrerseits mit einer Ringwelle untereinander verbunden sind. Durch diese Anordnung wird eine genaue Synchronität der Drehzahl aller vier Triebstockritzel erreicht. Die vier Leonardsätze haben eine Leistung von (4 × 55 =) 220 Kilowatt. Weiterhin werden vier Schneckenwellen angetrieben, die ihrerseits in ein halbiertes Innengewinde entlang des Fahrweges des Troges eingreifen. Die Gänge der Schnecken greifen im Normalfall nicht, sondern stellen eine Absturzsicherung des Troges bei einem eventuellem Seilbruch dar.

Da das Schiffshebewerk praktisch ohne Wasserverluste arbeitet, stellt es auch in Bezug auf die Sicherstellung der Wasserhaltung einen Fortschritt gegenüber den Einzelschleusen dar. Die Treppenschleusen wurden als Sparschleusen betrieben, was den Wasserverlust teilweise ausglich.

Quelle: 02/2009 Wikipedia